Wald
Historie

Februar 2014

Erzählt aus der Sicht von Michael, Ragabash der Glaswandler

"Es gibt Tage, da sollte man besser im Bett bleiben!", dachte Michael während er auf einem kleinen Felsvorsprung kauerte, in die Dunkelheit starrte und eine Inventur der vorhandenen Ressourcen durchführte. Ein ausgebrannter Caern, ein Haufen zerschundener Garou und ein stattlicher Leichenberg war alles, was am Ende dieses verrückten Tages übrig geblieben war. Manchmal hatte man natürlich nicht die Wahl im Bett zu bleiben; vor allem wenn man gar nicht in seinem Bett aufwachte, sondern auf feuchtem Waldboden. Lupus hatte ihn geweckt und auch einige der anderen Garou seiner Septe kamen gerade wieder zu sich. Außer Lupus konnte er noch Victoria, Emma, Selini, Pweeny, Violet, Steffan, Wolfgang und Takelot ausmachen. Alle schienen sehr aufgeregt und angespannt zu sein. Ob der Grund für die Aufregung der unbekannte Ort war, an dem sie aufgewacht waren, oder das Fehlen einiger Garou der Septe konnte Michael allerdings nicht sagen, denn Takelot trieb sie bereits zur Eile an. Der Bursche war mittlerweile zu einer echten Belastungsprobe für Michaels Geduld geworden.

Gemeinsam folgten die verbliebenen Garou Takelot einen ausgetretenen Pfad entlang durch einen lichten Wald. Die Gegend lieferte Michael keine Hinweise auf ihren derzeitigen Aufenthaltsort und ausser einigen Ruinen, die in der Entfernung zu erkennen waren, gab es auch keine Anzeichen von Leben oder gar Zivilisation. Auf dem Weg erzählte Lupus, wie er selbst und einige andere Garou der Septe nach dem Sturz von der Mondbrücke eine unangenehme Begegnung mit dem Feenvolk hatten. Über Feen hatte Michael zwar Geschichten gehört, ihnen aber keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Auch berichteten einige Garou, dass sie gesehen hätten wie Aira und Lavard von der Mondbrücke gefallen waren. Der Verlust des Anführers und der erfahrensten Krieger der Septe war ein harter Schlag. Und als wäre das nicht genug gewesen, stellte Michael auch fest, dass er nicht mehr seitwärts treten konnte. Das Umbra schien völlig verschwunden zu sein.

Das erste Anzeichen von Leben fanden die Garou beim Passieren eines schmalen Felsdurchgangs. Einige säuberlich abgenagte Knochen kleiner Tiere lagen dort in einem Erker des Durchgangs. Offensichtlich gab es hier also sowohl essbares Wild als auch Jäger. Der Eindruck wurde noch verstärkt als sie kurze Zeit nachdem sie den Durchgang wieder verlassen hatten, den intensiven Geruch eines Tiers wahrnahmen. Sie folgten der Spur bis zu einer einige Meter entfernten und am Rand eines Abhangs gelegenen Höhle, die nur über einen schmalen, rutschigen Pfad zu erreichen war. Lupus, Steffan und Michael erkundeten die Höhle, fanden allerdings keine Hinweise auf Bewohner. Aber offensichtlich war dies das Herz eines Caerns und nichts deutete auf eine Besudelung durch Kreaturen des Wyrm hin.

Noch bevor Michael wieder aus der Höhle getreten war, hörte er bereits aufgeregten Stimmen. Er trat hinaus ins Freie und sah zwei Menschen auf dem Pfad, die sich bereits mit den anderen Garou unterhielten und beeilte sich dorthin zu kommen. Die beiden schmutzigen und ärmlich gekleideten Gestalten machten einen harmlosen Eindruck aber die Antworten, die die Garou von ihnen auf ihre Fragen bekamen, waren mehr als wirr. Sie sprachen von einem großen Krieg, von Bunkern und das letzte Datum an das sie sich erinnerten war 2040. Offensichtlich befanden sich die Garou in einer düsteren Zukunft der Erde. Die beiden Fremden boten an, ihren wenigen Proviant mit den Garou zu teilen, und nach einer Durchsuchung der beiden verwahrlosten Gestalten entschied Michael, dass die beiden keine Gefahr darstellten. Mittlerweile dämmerte ihm auch, dass er der letzte verbliebene Älteste war und so wies er die Septe an, zusammen mit den beiden Neuankömmlingen in der Höhle Schutz zu suchen.

Nachdem die Garou nun Zuflucht in der Höhle gefunden hatten und die beiden Menschen noch weiter befragten, hielt Takelot es für eine gute Idee Michaels Nerven noch weiter zu strapazieren. Beim Versuch in die Geisterwelt zu treten brach er zusammen und musste von Victoria und Selini wieder zurückgeholt werden. Die Anstrengung war zuviel für Victoria, sie wurde zurückgeschleudert und wechselte reflexartig in Crinos. Das war dann auch zuviel für die einheimische Frau, die daraufhin panikartig flüchtete. Michael konnte sie gerade noch abfangen und einigermaßen beruhigen. In der Hoffnung, dass nun etwas Ruhe einkehren würde, hielt Michael es für das beste die Gegend weiter zu erkunden und beauftragte Pweeny, Violet und Steffan damit, den Pfad weiter zu erkunden. Wolfgang hatte wohl die gleiche Idee gehabt und hatte sich ohne ein Wort aufgemacht, den Pfad den sie gekommen waren noch einmal zu erkunden. Sobald der launische Garou wieder zurück wäre, würde Michael sich ernsthaft mit ihm über seine Pflichten unterhalten müssen. Die Rolle des Anführers behagte Michael mittlerweile immer weniger, Ragabash waren noch nie für diese Pflicht geeignet gewesen.

Während Michael die beiden Gäste der Garous beobachtete und überlegte was ihm an den verwahrlosten Menschen nicht richtig erschien, kamen die beiden auf ihn zu und meinten sie müssten kurz austreten. Er rief ihnen noch nach, dass sie in der Nähe bleiben sollten, als ein weiterer Mensch aus der Felspassage hervortrat und sich zielstrebig mit gezogenen Waffen den beiden näherte. Seinem Gebrüll entnahm Michael, dass die beiden dem Neuankömmling offenbar den Proviant gestohlen hatten, was in dieser Gegend zu drastischen Maßnahmen führte, denn er eröffnete nach einem kurzen Disput umgehend das Feuer. Der blutrünstige Fremde beruhigte sich danach allerdings nicht und bedrohte auch Michael, Lupus und die mittlerweile zurückgekehrten Späher. Als der Fremde schliesslich zum Angriff überging wurde er von Lupus kurzentschlossen niedergeschossen. Lupus hatte für Michaels Geschmack den Finger immer ein wenig zu schnell am Abzug. Im Augenblick mochte das allerdings ein Vorteil sein, denn weitere Garou wollte Michael heute nicht verlieren.

Nach dieser unangenehmen Begegnung nutzte Lupus die Gelegenheit, um seine Nerven zu verlieren, denn der Umstand in der Zukunft gelandet zu sein machte ihm offensichtlich arg zu schaffen. Victoria und Michael versuchten ihn umgehend zu beruhigen, da ein angespannter Lupus mit entsicherter Waffe und dem Finger am Abzug die Situation nicht gerade verbesserte. Um die Garou nicht in finsteres Grübeln kommen zu lassen, teilte Michael Pweeny und Violet zur Bewachung ein. Victoria, Emma und Selini sollten die Höhle weiter in Augenschein nehmen, um mehr über den Zustand des Caern zu erfahren. Zusammen mit Steffan und Lupus machte sich Michael auf den Weg, um Wolfgang zu suchen, der mittlerweile schon viel zu lange fort war. Zwar fanden sie keine Spur von Wolfgang, dafür begegneten sie einem einheimischen Garou, der sich als Hüter des Caerns zu erkennen gab. Er erzählte, dass sein Name Albrecht sei und er den Sturmherren angehöre, auch nannte er sich selbst nicht Garou sondern Uratha. Und obwohl Albrecht noch mehr Fragen aufwarf als dass er Licht in die Situation bringen konnte, entschieden die Garou ihn als Verbündeten zu akzeptieren und mit ihm zur Höhle zurückzukehren.

Kaum waren die Kundschafter mit Albrecht zurück am Caern, machte die Wache auf weitere Besucher aufmerksam. Diesmal entschied Michael, dass man die Neuankömmlinge am schmalen Eingang der Felspassage abfangen sollte, da dieser leicht zu verteidigen sein würde. Diesmal waren es schwer bewaffnete Menschen, die allerdings nicht wegen der Garou hier waren, sondern "Höllenhunde" jagten. Sie liessen sich trotz der vielen auf sie gerichteten Waffen nicht davon abhalten, die Passage zu betreten. Dann ging alles sehr schnell: die Förster fingen an auf etwas unsichtbares zu schiessen, zwei von ihnen gingen bei diesem Gefecht zu Boden. Dann tauchte Albrecht auf, der die beiden verbliebenen Jäger sofort attackierte und gnadenlos tötete. Die Situation wurde für Michael mit jeder neuen Begegnung merkwürdiger. Die Jäger hatten nicht versucht die Garou anzugreifen, trotzdem tötete Albrecht die beiden ohne zu Zögern.

Kaum waren die Garou zurück bei der Höhle, um zu beraten was nun zu tun sei, erhaschte Emma einen Blick auf weitere Gestalten, die sich aus der anderen Richtung näherten. Steffan pirschte den Pfad entlang und bestätigte, dass zwei bewaffnete Menschen von dort kämen. Es waren weitere Förster, die nach Haustieren fragten. Michael war sich nicht sicher, ob "Haustiere" nicht "Werwölfe" bedeuten könnte, aber die Jäger liessen sich überzeugen, dass von den Garou keine Gefahr ausging. Daraufhin machte sich der Jagdtrupp auf, um die Felspassage zu erkunden. Es dauerte nicht lange und die Garou hörten die lauten und qualvolle Todesschreie der Förster. Daraufhin entschied Michael, dass die Garou die Passage in Crinos erkunden sollten. Lupus wollte allerdings nicht warten und betrat die Passage, um eine der Brillen, die die Jäger trugen zu untersuchen. Während er die Brille ausprobierte und damit nichts besonderes erkennen konnte, fiel irgendetwas Steffan an, der noch nicht die Gestalt gewechselt hatte. Die umstehenden Garou, die bereits in Crinos waren, schlugen blind nach dem Wesen, das sich in Steffan verbissen hatte. Es blieb nicht bei diesem einen Angriff, auf dem Weg zurück zur Höhle wurden die Garou immer wieder von diesen Wesen angegriffen, die die Jäger Höllenhunde genannt hatten.

Nachdem die Garou sich wieder im Schutz der Höhle befanden, berieten sich Victoria, Emma und Selini, ob der Caern mit einem Ritual der Reinigung gesäubert werden sollte. In der Hoffnung damit den Caern vor den Attacken der Höllenhunde zu schützen, führten sie das Ritual durch, währenddessen der Rest der Septe die ständigen Angriffe der unsichtbaren Kreaturen abwehrte. Michael bezweifelte allerdings dessen Wirksamkeit, da Gaia an diesem Ort nicht vorhanden zu sein schien. Die Reinigung hielt die Höllenhunde dann auch tatsächlich nicht davon ab, die Garou in der Höhle immer wieder zu attackieren. Die drei Theurgen beschlossen daraufhin zu versuchen eine magische Barriere am Eingang zu errichten. Auch dies gelang, trotz der ständigen Angriffe durch die Höllenhunde. Aber gerade als die Barriere geschlossen war, tauchte wieder ein Trupp der Förster auf, diesmal ungleich schwerer bewaffnet.

Die mit Masken, Sturmgewehren und Flammenwerfer bewaffneten Jäger hatten die Absicht den Caern abzubrennen, um die Höllenhunde zu töten. Die Versuche der Garou, sie zum Abziehen zu bewegen scheiterten kläglich. Gerade als Michael darüber nachdachte, ob es eine gute Idee wäre mit allen Garou den Caern zu räumen, um die Jäger in Sicherheit zu wiegen und dann im Nahmkampf zu überwältigen, krachte der erste Schuss. Emma wurde getroffen und von der Explosion einer Silberladung in den Caern geschmettert. Alle klaren Gedanken in Michaels Kopf wurden plötzlich von Zorn verdrängt, noch einen Caern würde er sich sicher nicht abbrennen lassen. Die Verwandlung in Crinos geschah unbewusst und er sprang den ersten Jäger an, der sich zur Höhle wagte. Einmal konnte der Überraschte noch den Abzug betätigen und die Wunde brannte wie Feuer in Michaels Eingeweiden. Aber vom Zorn angetrieben hatte er genug Schwung, um den Jäger den Abhang hinab zu reissen. Im Fallen trieb er dem Jäger seine Klauen immer wieder ins Fleisch während der restliche Trupp weiter mit tödlichem Silber auf ihn schoss. Dann wurde es schwarz um ihn.

Was danach geschah, musste Michael sich später von den anderen Garou erzählen lassen. Die Jäger rückten offenbar unnachgiebig in die Höhle vor und drängten die Garou mit Brandgranaten und Flammenwerfer immer weiter zurück. Einige Garou schafften es die Höhle zu verlassen und fielen den verbliebenen Jägern in den Rücken. Zuletzt konnten die übrig gebliebenen, angesengten Werwölfe die Eindringlinge dann doch überwältigen. Nach einer kurzen Rast und dem erfolglosen Versuch den vom Silber zerfetzten Michael wieder auf die Beine zu bringen, versprach Albrecht den Garou für sie um den Segen von Vater Wolf zu bitten. Es stellte sich allerdings heraus, das sich nicht Vater Wolf sondern der Feenkönig zeigte und zu den Garou sprach. Offenbar waren die Garou immer noch in seiner Welt gefangen und alles Geschehene diente einzig seiner Unterhaltung. Mit dem Versprechen, dass sich Michael wieder erholen würde, gab er den Garou noch den Auftrag mit auf den Weg, eine Quelle in der Nähe des Caerns zu reinigen.

Michael erwartete die Garou am Caern, seine Wunden hatten sich tatsächlich wieder geschlossen. Nun galt es zu beratschlagen, was am nächsten Tag zu tun sei und ihren zerschundenen Gliedern etwas Ruhe zu gönnen.

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